Koprophagie -

die Sache mit dem Sch... fressen

Erstens: Du bist nicht allein mit dieser Thematik, aber das Gute, nach dem Aufdecken der Ursache kannst du etwas dagegen unternehmen.

Koprophagie – also das Fressen von Kot – ist beim Hund ein relativ häufiges Verhalten, das für dich als Halter verständlicherweise belastend ist. Wichtig ist jedoch, das Thema sachlich und strukturiert anzugehen. In den meisten Fällen steckt keine „Böswilligkeit“ dahinter, sondern eine Kombination aus medizinischen, fütterungsbedingten und verhaltensbezogenen Faktoren. Der erste und wichtigste Schritt besteht daher immer darin, die Ursache möglichst genau zu klären.

An erster Stelle sollte eine tierärztliche Abklärung stehen. Plötzlich auftretende oder stark ausgeprägte Koprophagie kann mit gesundheitlichen Problemen zusammenhängen, etwa mit Parasitenbefall, Störungen der Nährstoffaufnahme, Problemen der Bauchspeicheldrüse oder einem insgesamt erhöhten Energiebedarf. Auch eine unzureichende Futterverwertung oder qualitative Mängel im Futter können eine Rolle spielen. Eine Kotuntersuchung, gegebenenfalls ergänzt durch ein Blutbild, hilft dabei, medizinische Ursachen auszuschließen oder gezielt zu behandeln. Erst wenn körperliche Gründe sicher ausgeschlossen sind, sollte der Fokus vollständig auf Training und Management gelegt werden.

Parallel zur Ursachenklärung ist konsequentes Management entscheidend. Jeder erfolgreiche „Kot-Fress-Moment“ wirkt selbstbelohnend und festigt das Verhalten. Deshalb sollte Kot – soweit möglich – umgehend entfernt werden, insbesondere im eigenen Garten. Katzenklos müssen für Hunde unzugänglich sein. Beim Spaziergang kann eine Schleppleine sinnvoll sein, um frühzeitig eingreifen zu können. Besonders wichtig ist, den Hund nicht zu bestrafen. Schimpfen oder hektisches Eingreifen führt häufig dazu, dass der Hund schneller frisst oder das Verhalten heimlich zeigt. Stattdessen sollte ruhig und vorausschauend gehandelt werden.

Ein mögliches und in manchen Fällen sehr hilfreiches Management-Tool ist ein gut angepasster Maulkorb mit Fressschutz. Dabei handelt es sich nicht um eine Strafe, sondern um eine Sicherheitsmaßnahme, die verhindert, dass der Hund unterwegs Kot aufnehmen kann. Wichtig ist eine sorgfältige Gewöhnung über positives Training, sodass der Hund den Maulkorb entspannt trägt. Ein Modell mit integriertem Fressschutz verhindert gezielt das Aufnehmen von Dingen vom Boden, während Hecheln und Trinken weiterhin möglich bleiben. Der Maulkorb ersetzt kein Training, kann aber in der Trainingsphase verhindern, dass sich das Verhalten weiter selbst verstärkt.

Neben dem Management sollte aktiv an einem Alternativverhalten gearbeitet werden. Ein zuverlässig aufgebautes „Lass es“-Signal ist hier zentral. Der Hund lernt dabei, sich bewusst vom Reiz abzuwenden und stattdessen Blickkontakt zum Halter aufzunehmen, wofür er hochwertig belohnt wird. Ebenso wichtig ist ein sehr gut trainierter Rückruf, damit der Hund bereits auf Distanz vom potenziellen Fundort abrufbar ist. 

Ergänzend kann das Training der Impulskontrolle helfen, etwa durch Übungen zum kontrollierten Warten oder durch Impulskontrollspiele. Ziel ist es, dass der Hund lernt, kurzfristige Impulse zugunsten einer besseren Belohnung aufzuschieben.

Auch ausreichende körperliche und geistige Auslastung spielt eine Rolle. Manche Hunde zeigen Koprophagie aus Langeweile oder Unterforderung. Regelmäßige Nasenarbeit, Suchspiele, Tricktraining oder strukturierte Spaziergänge mit Aufgaben können helfen, das Bedürfnis nach Beschäftigung auf sinnvolle Weise zu erfüllen. Zusätzlich sollte die Fütterung überprüft werden: Ein hochwertiges, gut verdauliches Futter sowie gegebenenfalls angepasste Portionsgrößen oder Fütterungsintervalle können unterstützend wirken.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Koprophagie ein multifaktorielles (Zusammenspiel vieler verschiedener Faktoren wie z. B. Genetik, Lebensstil, Umwelt) Verhalten ist, das Geduld und ein systematisches Vorgehen erfordert. Die Kombination aus medizinischer Abklärung, konsequentem Management – gegebenenfalls inklusive Maulkorb mit Fressschutz –, gezieltem Training und sinnvoller Auslastung bietet die besten Chancen, das Verhalten langfristig deutlich zu reduzieren oder ganz abzustellen.

Was kannst du tun?

Medizinische Ursachen (immer zuerst abklären!)

 

Nährstoffmangel oder schlechte Verwertung

  • z. B. durch Probleme mit der Bauchspeicheldrüse (exokrine Pankreasinsuffizienz)
  • Starker Parasitenbefall
  • Stoffwechselerkrankungen
  • Malabsorptionsstörungen
  • Sehr hoher Energiebedarf

 

Junghunde im Wachstum zeigen das Verhalten sehr häufig. Ggf. erst aus Gründen höheren Energiebedarfs, welches anschließend in ein erlerntes Verhalten übergeht.

Wenn das Verhalten neu auftritt oder sehr stark ist, sollte zuerst ein Tierarzt körperliche Ursachen ausschließen.

 

Fütterungsbedingte Ursachen

  • Futter mit geringer Verdaulichkeit
  • Zu geringe Futtermenge
  •  Sehr eiweißreiche Hinterlassenschaften anderer Tiere (z. B. Katzenkot aus dem Katzenklo – für Hunde oft „hochattraktiv“)

 

Manche Hunde fressen vor allem Katzenkot, weil er durch das Katzenfutter besonders proteinreich riecht.

 

Verhaltensbedingte Ursachen

 

Normalverhalten bei Welpen

Welpen erkunden ihre Umwelt mit dem Maul – dazu gehört leider auch Kot.

 

Sauberkeitsverhalten

Manche Hunde entfernen Kot aus dem eigenen Bereich (z. B. aus dem Garten).

 

Stress oder Unsicherheit

  • Angst vor Strafe bei „Unfällen“ im Haus
  • Allgemeiner Stress
  • Unterforderung

 

Erlerntes Verhalten

  • Der Hund hat einmal Kot gefressen → Aufmerksamkeit bekommen → Verhalten verstärkt
  • Langeweile oder selbstbelohnendes Verhalten

 

Was tun? Nicht laut werden oder bestrafen!

 

Strafen verschlimmern das Problem häufig:

  • Der Hund frisst den Kot schneller.
  • Er macht es heimlich.
  • Stress verstärkt das Verhalten zusätzlich.

 

Wie kann man Koprophagie abstellen?

 

Der Ansatz sollte systematisch und ruhig erfolgen.

 

Medizinische Ursachen ausschließen

 

Tierärztliche Untersuchung inkl.:

  • Kotprobe
  • Blutbild (bei Verdacht)
  • Beurteilung der Futterqualität

 

Management (sofort umsetzbar)

 

  • Kot sofort entfernen
  • Katzenklo für Hunde unzugänglich machen
  • Hund draußen ggf. an Schleppleine führen
  • Aufmerksamkeit frühzeitig umlenken

 

Management ist kein „Versagen“, sondern verhindert Selbstbelohnung.

 

Alternativverhalten aufbauen

 

„Lass es“-Training

      1.         Hochwertige Belohnung bereithalten.

      2.         Hund sieht Kot → Signal „Lass es“.

      3.         Blickkontakt → sofort belohnen.

      4.         Schwierigkeitsgrad langsam steigern.

 

Wichtig: Timing ist entscheidend.

 

Verbindlichen Rückruf aufbauen

 

Ein gut trainierter Rückruf hilft, bevor der Hund überhaupt frisst.

 

Impulskontrolle stärken

  • Sitz und Bleib mit steigender Ablenkung
  • Impulskontrollspiele
  • Belohnungsaufschub üben

 

Beschäftigung & Auslastung

 

Manche Hunde fressen Kot aus Langeweile.

  • Nasenarbeit
  • Intelligenzspiele
  • Tricktraining
  • Suchspiele
  • Kauartikel als alternative orale Beschäftigung

 

Futteranpassung prüfen

 

Manchmal hilfreich:

  • Hochwertigeres Futter
  • Bessere Verdaulichkeit
  • Eventuell kleinere, häufigere Mahlzeiten

 

Es gibt Zusätze, die Kot „unattraktiv“ machen sollen – die Wirkung ist wissenschaftlich jedoch nicht eindeutig belegt.

 

Wann wird es kritisch?

 

Sofort zum Tierarzt, wenn:

  • Durchfall oder Gewichtsverlust auftreten
  • Stark vermehrter Hunger besteht
  • Das Verhalten plötzlich beginnt
  • Der Hund apathisch wirkt

 

Koprophagie ist:

  • Häufig
  • Meist multifaktoriell
  • Selten „Dominanz“ oder „Böswilligkeit“
  • Mit Geduld gut trainierbar

 

Der Schlüssel ist eine Kombination aus:

 

  • Medizinischer Abklärung
  • Management
  • Ruhigem, konsequentem Training
  • Für den Hund passende Auslastung

 

Kläre Punkt für Punkt ab, was bei deinem Hund ursächlich sein kann. Kennst du den Grund des Verhaltens nicht, wirst du ausschließlich an Symptomen rumdoktern, was sehr selten zielführend ist.